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Bestellen bei Temu, Shein und Co.: Zoll, Steuer und Rückgabe seit Juli 2026

Ratgeber · Redaktion · veröffentlicht am 13.10.2026

Bestellen bei Temu, Shein und Co.: Zoll, Steuer und Rückgabe seit Juli 2026

Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress gehören zu den meistgesuchten Shopping-Seiten in Deutschland. Die Preise sind niedrig, die Auswahl riesig. Seit dem 1. Juli 2026 gilt aber eine neue Regel: Die Zollbefreiung für Sendungen bis 150 Euro ist entfallen, stattdessen wird für Fernabsatz an Privatkunden ein pauschaler Zoll von 3 Euro je Warenart erhoben. Dazu kommen Einfuhrumsatzsteuer, mögliche Gebühren der Paketdienste und die Frage, was bei einer Rückgabe passiert. Dieser Ratgeber ordnet die Regeln ein, ohne die Plattformen zu bewerten, und zeigt, wie du die echten Kosten vorab ausrechnest.

Was sich am 1. Juli 2026 geändert hat

Bis Ende Juni 2026 waren Waren mit einem Sachwert bis 150 Euro vom Zoll befreit, nur die Einfuhrumsatzsteuer fiel an. Mit der Verordnung (EU) 2026/382 des Rates vom 11. Februar 2026 hat die EU diese Befreiung aufgehoben. Für Fernabsatzverkäufe importierter Waren an Verbraucher gilt seit dem 1. Juli 2026 übergangsweise ein fester Zoll von 3 Euro je „Artikel“.

Was ein Artikel ist, hat die Europäische Kommission erläutert: eine oder mehrere Waren einer Sendung, die dieselbe Zolltarifeinreihung haben. Drei gleiche T-Shirts sind also ein Artikel und kosten 3 Euro Zoll. Ein T-Shirt, eine Handyhülle und ein Kopfhörer sind drei Artikel und kosten 9 Euro. Technisch wird der Zoll je Zeile der Zollanmeldung erhoben.

Die Regel gilt bis zum 1. Juli 2028, dem geplanten Start des EU-Zolldatenzentrums, und kann verlängert werden. Sie gilt unabhängig davon, ob die Einfuhrumsatzsteuer über IOSS oder bei der Einfuhr bezahlt wird. Über 150 Euro Sachwert gilt wie bisher der reguläre Zollsatz der jeweiligen Warenart.

Einfuhrumsatzsteuer und IOSS

Neben dem Zoll fällt bei jeder gewerblichen Sendung aus einem Nicht-EU-Land Einfuhrumsatzsteuer an, in Deutschland 19 Prozent, für ermäßigte Waren wie Bücher 7 Prozent. Die frühere Freigrenze für Kleinstsendungen ist schon seit Juli 2021 weggefallen. Berechnet wird die Steuer auf den Warenwert einschließlich der Beförderungskosten und des Zolls.

Viele große Plattformen nutzen das IOSS-Verfahren, den Import One Stop Shop. Dann ist die Umsatzsteuer bei Sendungen bis 150 Euro schon im Kaufpreis enthalten, und der Paketdienst verlangt sie bei der Zustellung nicht noch einmal. Ob ein Händler IOSS nutzt, erkennst du meist daran, dass im Checkout die Umsatzsteuer ausgewiesen wird.

Wichtig: IOSS betrifft nur die Steuer. Der 3-Euro-Zoll fällt trotzdem an. Ob ihn die Plattform schon in den Preis einrechnet oder ob er bei der Zustellung verlangt wird, hängt vom Händler ab. Lies deshalb die Hinweise im Checkout genau.

Gebühren der Paketdienste

Wenn Zoll oder Einfuhrumsatzsteuer bei der Zustellung fällig werden, übernimmt in der Regel der Paketdienst die Zollanmeldung für dich. Dafür berechnet er eine eigene Gebühr, oft als Auslagen- oder Servicepauschale bezeichnet. Sie ist keine Abgabe des Zolls, sondern ein Entgelt des Dienstes, und kann den eigentlichen Zoll bei kleinen Bestellungen übersteigen. Die Höhe legt jeder Dienst selbst fest, deshalb solltest du sie beim jeweiligen Zusteller nachsehen.

Zusätzlich hat die Europäische Kommission eine Bearbeitungsgebühr für Kleinsendungen angekündigt, die die Kosten der Zollverwaltung decken soll. Sie ist nach Angaben der Kommission ein eigenständiges Vorhaben, wird derzeit diskutiert und ist noch nicht in Kraft.

Für die Kalkulation heißt das: Zum Kaufpreis kommen Versand, 3 Euro je Warenart, gegebenenfalls Einfuhrumsatzsteuer und die Gebühr des Zustellers. Unser Zoll-Rechner fasst diese Posten zusammen und zeigt auch, wie sich die Summe bei mehreren Warenarten oder knapp über 150 Euro verändert.

Rechenbeispiele

Ein Beispiel ohne IOSS: Du bestellst drei verschiedene Artikel für zusammen 40 Euro bei kostenlosem Versand. Der Zoll beträgt 3 mal 3 Euro, also 9 Euro. Die Einfuhrumsatzsteuer berechnet sich auf 40 plus 9 Euro, bei 19 Prozent sind das 9,31 Euro. Ohne Gebühr des Zustellers kostet die Bestellung damit 58,31 Euro statt 40 Euro, ein Aufschlag von knapp 46 Prozent.

Mit IOSS sieht es anders aus: Dieselbe Bestellung mit Steuer im Preis kostet 40 Euro plus 9 Euro Zoll, sofern die Plattform den Zoll nicht schon eingerechnet hat. Bei nur einer Warenart, etwa drei gleichen T-Shirts, wären es 3 Euro Zoll.

Über 150 Euro ändert sich die Logik. Sneaker mit Textil-Oberteil für 180 Euro plus 10 Euro Versand fallen unter einen regulären Zollsatz, laut EU-Zolltarif für die Position 6404 11 00 sind das 16,9 Prozent. Der Zoll beträgt dann rund 32 Euro, die Einfuhrumsatzsteuer auf 190 plus 32 Euro rund 42 Euro. Maßgeblich ist immer die Einreihung im Einzelfall.

Rückgabe und Widerruf

Bei Händlern aus Nicht-EU-Ländern, die ihr Angebot gezielt an Kunden in der EU richten, gelten nach EU-Recht grundsätzlich die Verbraucherrechte des Landes, in dem du wohnst. Das umfasst das 14-tägige Widerrufsrecht. In der Praxis hängt viel vom Händler und der Plattform ab: Manche bieten kostenlose Rücksendungen an eine Adresse in der EU, andere verlangen den Versand nach Asien auf eigene Kosten.

Prüfe vor dem Kauf, wohin die Rücksendung geht und wer sie bezahlt. Bereits bezahlte Einfuhrabgaben werden bei einer Rücksendung nicht automatisch erstattet. Eine Erstattung durch den Zoll ist nur auf Antrag und unter bestimmten Voraussetzungen möglich, etwa bei mangelhafter Ware. Die Gebühr des Paketdienstes bekommst du in der Regel nicht zurück.

Hast du über eine Plattform mit eigenem Käuferschutz oder mit Kreditkarte bezahlt, wende dich bei Problemen zuerst an diese Stelle. Sie entscheidet nach ihren Bedingungen, ob du dein Geld zurückbekommst und ob du die Ware zurückschicken musst.

Produktsicherheit

Seit dem 13. Dezember 2024 gilt in der EU die Verordnung über die allgemeine Produktsicherheit (EU) 2023/988. Sie verpflichtet auch Online-Marktplätze, bei Angeboten unter anderem den Hersteller mit Kontaktdaten, eine in der EU ansässige verantwortliche Person, Produktbezeichnung, Warnhinweise und Sicherheitsinformationen anzugeben. Fehlen diese Angaben in einem Angebot, ist das ein Warnzeichen.

Verbraucherverbände und Behörden haben in Stichproben immer wieder Produkte aus Fernost gefunden, die EU-Grenzwerte überschreiten, etwa bei Spielzeug, Elektronik oder Kosmetik. Rückrufe und Warnungen zu gefährlichen Produkten veröffentlicht die Europäische Kommission im Schnellwarnsystem Safety Gate. Dort kannst du nach Produktart suchen.

Besondere Vorsicht ist bei Produkten für Kinder, bei Ladegeräten und Akkus sowie bei allem angebracht, was mit Haut oder Lebensmitteln in Kontakt kommt. Eine CE-Kennzeichnung ist eine Erklärung des Herstellers und kein unabhängiges Prüfsiegel.

Geschenke und private Sendungen

Die 3-Euro-Regel betrifft Fernabsatzverkäufe an Verbraucher, also Bestellungen bei Händlern. Für Geschenksendungen von Privatperson zu Privatperson gelten eigene Befreiungen, die der Zoll auf seiner Website erklärt. Voraussetzung ist unter anderem, dass die Sendung gelegentlich und unentgeltlich ist und nicht im Zusammenhang mit einer Bestellung steht.

Nicht als Geschenk gelten Waren, die du selbst bezahlt hast, auch wenn der Absender sie als „Gift“ deklariert. Eine falsche Deklaration ist kein Kavaliersdelikt und kann zu Nachforderungen und Bußgeldern führen.

Wer geschäftlich Ware aus Drittländern einführt, etwa für einen eigenen Online-Shop, braucht in der Regel eine EORI-Nummer und muss sich mit Zolltarifnummern, Zollwert und Einfuhrumsatzsteuer genauer befassen. Die 3-Euro-Regel gilt für Lieferungen an Unternehmen nicht.

So bestellst du mit klarem Kostenbild

Rechne vor dem Kauf den Gesamtpreis aus: Warenwert, Versand, 3 Euro je Warenart, Einfuhrumsatzsteuer, falls nicht schon im Preis, und die Gebühr deines Zustellers. Bündle gleiche Artikel, statt viele verschiedene Kleinteile zu bestellen, denn jede Warenart kostet einzeln.

Vergleiche den Gesamtpreis mit Händlern aus der EU. Dort fallen weder Zoll noch Einfuhrumsatzsteuer an, Lieferzeiten sind kürzer, und Rückgaben sind meist einfacher. Gerade bei Artikeln zwischen 20 und 60 Euro ist der Preisvorteil nach Abgaben oft kleiner als gedacht.

Nutze Zahlungsarten mit Käuferschutz, lies die Rückgabebedingungen und prüfe bei Kinderprodukten und Elektronik die Sicherheitsangaben. Unser Zoll-Rechner zeigt dir mit wenigen Eingaben, was die Bestellung wirklich kostet und was im Fall einer Rücksendung an dir hängen bleiben kann.

Häufige Fragen

Muss ich bei Temu und Shein Zoll zahlen?

Seit dem 1. Juli 2026 fällt bei Fernabsatzsendungen aus Nicht-EU-Ländern bis 150 Euro ein Zoll von 3 Euro je Warenart an. Ob die Plattform ihn im Preis einrechnet oder er bei der Zustellung erhoben wird, hängt vom Händler ab.

Was bedeutet 3 Euro je Warenart?

Waren mit derselben Zolltarifeinreihung zählen als ein Artikel. Drei gleiche T-Shirts kosten 3 Euro, drei verschiedene Warenarten 9 Euro.

Fällt zusätzlich Einfuhrumsatzsteuer an?

Ja, 19 oder 7 Prozent auf Warenwert, Versand und Zoll, sofern sie nicht schon über IOSS im Kaufpreis enthalten ist.

Bekomme ich Zoll bei einer Rücksendung zurück?

Nicht automatisch. Eine Erstattung ist nur auf Antrag beim Zoll und unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Wie lange gilt die 3-Euro-Regel?

Bis zum 1. Juli 2028, mit möglicher Verlängerung, falls das EU-Zolldatenzentrum bis dahin nicht startet.

Quellen

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